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Stadtgespräch, Thema: Frauenhäuser - Qual oder Wahl für Frauen

Stadtgespräch Frauenhäuser - Qual oder Wahl für FrauenDonnerstag, 13. Mai 2010, 19:00 Uhr

Stadtgespräch

Thema: Frauenhäuser -
Qual oder Wahl für Frauen

Gäste:
Martina Neumann (Betroffene)
Doris Wieferich (Diplom-Sozialpädagogin)
Anja Herrenbrück (Diplom-Psychologin)

Moderation: Anneke ter Veen

» zum Video bei Center TV (37 Min.)

Video: © Center TV

 

 Frauen- und Kinderschutzhaus Diepholz im Fernsehen

Am 13. Mai 2010 um 19.00 Uhr wurde die Aufzeichnung des Regionalsenders center.tv – Heimatfernsehen für Bremen und Bremerhaven ausgestrahlt. Das Thema war Frauenhäuser – Qual oder Wahl für Frauen. Wir wurden eingeladen zusammen mit einer ehemaligen betroffenen Frau und einer Mitarbeiterin der psychologischen Beratungsstelle des Notrufes Bremen uns den Fragen der Moderatorin Anneke ter Veen zum Thema zu stellen.

Seit Beginn unserer Gewaltschutzarbeit war es immer wichtig Öffentlichkeitsarbeit zu organisieren, damit von Gewalt betroffene Frauen und deren persönliches Umfeld sowie die Gesellschaft über mögliche Unterstützungsmaßnahmen und über die Arbeit von Frauenhäusern informiert werden. Wir verstehen uns sozusagen als Impulsgeberin für alle diejenigen, die mit dem Thema Häusliche Gewalt nicht befasst sind und sich somit auch nicht zuständig fühlen können. Eine informierte Öffentlichkeit dagegen kann so befähigt werden im eigenen Umfeld die richtige Entscheidung, nämlich "sich einmischen" zu treffen, wenn sie Zeugin oder Zeuge von häuslicher Gewalt wird.

Das Thema Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder kommt häufig dann groß in die Medien, wenn es sich um spektakuläre sogenannte Familiendramen oder Familienstreitigkeiten handelt. Dabei handelt es sich in der Regel um Straftaten, wie schwere Körperverletzungen bis hin zu Tötungsdelikten oder Mord.

Da unserer Einladung kein solcher Pressebericht vorausgegangen war, freuen wir uns um so mehr, dass vom center TV Bremen-Bremerhafen das Interesse bestand mit uns, dem Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz, zu sprechen.

Denn eines ist uns klar: Wie das Thema Gewalt in engen sozialen Beziehungen von Medien dargestellt wird, hängt immer auch von der persönlichen Einstellung und dem Wissen über das Thema der jeweiligen verantwortlichen Person des Senders ab. Hilfreich waren daher die Vorgespräche mit der Moderatorin Anneke ter Veen und dem Sender, gerade auch mit der Mitarbeiterin und dem Mitarbeiter während der Dreharbeiten in unserem Haus für den Vorspann zum Stadtgespräch.

Ganz besonders klasse und mutig war die Teilnahme der ehemals Betroffenen Martina Neumann, die ihre Geschichte sehr mutig und deutlich geschildert hat. Vielleicht konnte sie einige Menschen ermutigen, aktiv gegen häusliche Gewalt zu werden.

An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal bei Frau Anneke ter Veen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von center-tv Bremen-Bremerhaven, dass wir über das Medium Fernsehen unsere Arbeit und die Funktion eines Schutzhauses berichten konnten. Es war eine Würdigung unserer Gewaltschutzarbeit und eine interessante und gute Erfahrung in einem Fernsehstudio über die langjährige Anti-Gewalt-Arbeit im Landkreis Diepholz zu sprechen.

Eine interessante und gute Erfahrung gemacht zu haben, bedeutet natürlich auch, diese Aktion kritisch zu hinterfragen. Was fehlte an Wortbeiträgen im Stadtgespräch? Welche Inhalte sind dem Stadtgespräch hinzuzufügen? Eine Anmerkung möchten wir hier deutlich machen, dass unterschwellig immer das Gefühl anwesend war, mit einem Intercity durch das Thema Gewalt gegen Frauen und Ihre Kinder gefahren zu sein.

Die eigentliche Sendezeit betrug 3 x 12 Minuten und somit war die Zeit, um angemessen über die betroffenen Frauen zu sprechen, welche unter die oben genannten Aspekte einzureihen sind, leider viel zu knapp.

Deshalb konnte vor allem auch nicht besprochen werden, dass Schutzeinrichtungen, wie auf jeden Fall unser Haus in Diepholz, es immer anstrebt innovativ zu sein. Wir wollen uns den gesellschaftlichen Herausforderungen stellen und deshalb sprechen wir auch von unserem Netzwerk gegen häusliche Gewalt, wobei das Frauenhaus eines von verschiedenen Hilfsangeboten für von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern ist. Weitere dazu gehörende Einrichtungen sind die Beratungsstellen für Frauen und Mädchen mit den Standorten in Syke, Diepholz und Sulingen und die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt – kurz BISS genannt.

Des weiteren sollen folgende Aspekte Erwähnung finden:

Neue Herausforderungen annehmen bedeutet, einen differenzierten Blick auf die Gewaltverhältnisse der Opfer zu haben. Die Gewalt in der Partnerschaft oder im sozialen Nahraum ist nicht immer gleich. Es gilt, die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Bedeutungen der Gewalt in den Beziehungen zu betrachten, und gleichzeitig müssen wir uns die Frage stellen, wie häufig und wie schwer wurde Gewalt ausgeübt.

Wenn wir uns diese Fragen in unserer Arbeit stellen, erfahren wir von den Opfern unterschiedliche Auswirkungen von Gewalt, die wiederum ganz unterschiedliche Interventionen brauchen, um die Gewalt zu stoppen. Das bedeutet, dass Schutz- und ratsuchende Frauen mit oder ohne Kinder, einen individuellen Beratungs- oder Hilfebedarf benötigen. Um der Gewalt im ihrem sozialen Nahraum entgegen treten zu können, müssen also Maßnahmen getroffen werden, die auf die ganz persönliche Lebenssituation der Betroffenen abgestimmt sind.

So ist das Frauenhaus eine Anlaufstelle für diejenigen Frauen, die räumlichen und verlässlichen Schutz, Begleitung und Unterstützung zur Planung und Umsetzung ihrer neuen Lebensperspektiven brauchen. Dafür benötigen sie einen vorübergehend gesicherten Abstand zum Gewalttäter und eine angstfreie und anonyme Wohnsituation für ihre Entscheidungsfindung.

Gewaltbetroffene Frauen, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, sind vorwiegend jüngere Frauen mit Kindern im betreuungsbedürftigen Alter, die nach Gewalteskalationen eine schnelle Trennung herbeigeführt haben. Zudem kommen Frauen in ein Frauenhaus, die in einer langjährigen gewachsenen Familien- und Partnerschaftsbindung gelebt habe. Sie wollen eigentlich die Partnerschaft fortführen, lehnen aber gewalttätige Auseinandersetzungen konsequent ab.

Betroffene, die bereits in fortgeschrittenen Trennungsprozessen leben, haben häufig Erfahrungen mit polizeilichen Interventionen gemacht, nicht zuletzt aufgrund massiver Gewalterfahrungen. Sie brauchen ganz besonders Schutz, Sicherheit und Anonymität.

Einige der Frauen waren ohnehin bereits in einer schwierigen Lebenssituation. Damit sind ihre ökonomischen, sowie psychischen Aspekte gemeint. Diese Frauen verhalten sich oft sehr ambivalent; sie sind hin und hergerissen zwischen Partnerschaft und Trennung. Sie kommen häufig ein zweites Mal in die Schutzeinrichtung. Nun, eine räumliche Trennung bedeutet auch noch keine emotionale Trennung. Zum Teil massiv erfahrene Gewalt erschweren und behindern ihren Weg zu neuem Selbstvertrauen und einem gewaltfreien Leben .

Eine klassische Frage von Außenstehenden an die Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern richtet sich oft nach der Schichtzugehörigkeit der Betroffenen.

Es ist ein Klischee, dass nur Frauen aus der unteren Gesellschaftsschicht von Gewalt in der Partnerschaft betroffen sind. Die langjährige Erfahrung in unserer Netzwerkarbeit zeigt immer wieder, dass häusliche Gewalt in allen Schichten der Gesellschaft stattfindet.

Allerdings ist es so, dass hauptsächlich die Betroffenen mit wenig familiärem Background, finanziellen Mitteln, ohne Arbeit und Berufsausbildung, es schwer haben, Perspektiven eigenständig zu entwickeln und suchen so Zuflucht, Sicherheit und Unterstützung im Frauenschutzhaus.

Frauen, die auf familiäre Unterstützung zurückgreifen können, über eigenes Einkommen verfügen und für sich und ihre Kinder eigenständig eine Perspektive entwickeln können, benötigen oftmals eher die Beratung in den Beratungsstellen. Nach einer Trennung gestalten sie für sich andere Wohnlösungen und nehmen für sich andere Sicherheitsmaßnahmen wie z. B. eine Schutzanordnung in Anspruch.

Nur bei besonders hochgradiger Gefährdung der Sicherheit ist für alle Betroffenen der Gang ins Frauenhaus eine Entscheidung, die unabhängig von der Schichtzugehörigkeit getroffen wird. Angst spielt hier bei den betroffenen Frauen eine große Rolle, die oft nur durch die Sicherheitsmaßnahmen und die Mitarbeiterinnen unserer Schutzeinrichtung bewältigt werden kann.

Letztlich geht es aber immer darum, den gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern, eine angemessene Hilfestellung anzubieten. Die Entscheidungsfreiheit der Frauen, ob sie Hilfe wollen oder nicht und die Wahlmöglichkeit, welche Hilfe sie annehmen wollen, müssen Grundsätze in der Beratung sein. Auch die Optionen der Wahlmöglichkeiten, die Partnerschaft zu beenden oder zu bleiben, aber auch diese Entscheidung wieder zu verändern, muss ein Recht der Frauen bleiben und darf nicht zu Stigmatisierung von gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern führen.

» zum Video bei Center TV (37 Min.)

 

 

  Öffentlichkeitsarbeit

Plakat zum 20-jährigem Jubijäum des Frauen- und Kinderschutzhauses DiepholzWir veröffentlichen Artikel über unsere Schutzeinrichtung in Diepholz

in Regionalzeitungen und in Broschüren und stellen uns in Handbüchern, Beratungsführern und Faltblättern vor. Außerdem arbeiten wir innerhalb von regionalen und landesweiten Projekten mit anderen Stellen, wie z.B. Schulen und Institutionen zusammen, wir referieren in und außer Haus über unsere Arbeit mit den von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern.

Das Thema Gewalt gegen Frauen zeigt immer wieder einen großen Bedarf an Auseinandersetzung und Information an, obwohl Frauenhäuser im Hilfenetz etabliert sind.

Unsere Öffentlichkeitsarbeit soll deutlich machen, dass gesamtgesellschaftliche Anstrengungen in den unterschiedlichsten Formen und Bereichen notwendig sind, um aufzuklären. Wir versuchen, die komplexe Problematik der Gewalt im häuslichen Bereich aufzudecken und Hilfestellung anzubieten. Wir verstehen uns als Impulsgeberin für diejenigen, die nur selten mit diesem Thema konfrontiert werden und sich deshalb auch nicht angesprochen fühlen.

Gewalt gegen Frauen bezeichnet jede Handlung geschlechtsbezogener Gewalt, die einer Frau körperlichen, sexuellen oder seelischen Schaden oder Leid zufügt oder zufügen kann.

Auch die Androhung derartiger Handlungen, Nötigungen und Bevormundungen in der Öffentlichkeit oder im Privatleben ist eine Form von Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Frauen ist nicht, wie viele immer wieder annehmen, das Problem einer Randgruppe bzw. das Schicksal von Frauen aus total zerrütteten Familienverhältnissen, sondern betrifft Frauen in allen gesellschaftlichen Schichten und jeden Alters. Auch der Tätertypus befindet sich keinesfalls außerhalb der gesellschaftlichen Normen.

 

  Zum 20-jährigen Bestehen unseres Hauses ist eine Festschrift erschienen, die Sie hier herunter laden können

Auf 32 Seiten erfahren Sie Wissenswertes und interessantes aus unserer täglichen Arbeit. Aus dem Inhalt:

  • Grußworte (unter anderem von Carol Hagemann-White)
  • Chronik
  • Das Haus und seine Bewohnerinnen
  • Beratungsstellen für Frauen
  • Migrantinnen
  • zZI und BISS
  • Supervision
  • Praktikum im Schutzhaus
  • Telefondienst

  Festschrift herunterladen PDF  PDF, 1,5 MB

 

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