Bürgermut
tut allen gut
Nachbarschaften gegen häusliche Gewalt aktivieren
Modellprojekt in der Samtgemeinde Barnstorf, 2011/ 2012

Ab April 2011 werden in der Samtgemeinde Barnstorf
unterschiedliche Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt,
die über das Thema Zivilcourage im ländlichen Raum
informieren sollen. Mit Infoständen richten wir uns an
die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinden Barnstorf, Drebber,
Drentwede und Eydelstedt. In Haustürgesprächen wollen
wir uns einen Eindruck verschaffen, wie es um die Nachbarschaftshilfe
im Hunteflecken und umzu bestellt ist. Besondere Aktivitäten
und Begegnungen bieten die Gelegenheit, sich mit Möglichkeiten
und Beispielen für Bürgermut vertraut zu machen.
Auch der Unterricht an der Haupt- und Realschule soll mit
diesem Thema bereichert werden. Vereine und Verbände
werden hinzugezogen. Bürgerinnen und Bürger, die
Interesse an einer Schulung zum Mutbürger haben, sind
uns herzlich willkommen!
Wer ist Antragsteller?
Für dieses neuartige Projekt im Landkreis Diepholz hat
die Organisation mit dem Namen „Prävention im Blick“
einen Antrag beim Landespräventionsrat gestellt und einen
Zuschlag bekommen. Die Beteiligten sind der Landkreis Diepholz,
der Verein zum Schutz misshandelter Frauen und Kinder Landkreis
Diepholz e.V., die Polizeiinspektion Diepholz sowie das Institut
für kritische Sozialforschung und Bildungsarbeit aus
Hannover.
Projektleitung
Die Projektverantwortung wird wahrgenommen von der Leiterin
des Fachdienstes für Gleichstellung, Integration und
Prävention des Landkreises Diepholz, Frau Christina Runge,
sowie der Leiterin der Einrichtungen des Vereins zum Schutz
misshandelter Frauen und Kinder Landkreis Diepholz e.V., Frau
Doris Wieferich. Beide sind Ansprechpartnerinnen für
alle Fragen des Projektes. Die Geschäftsstelle befindet
sich beim Fachdienst für Gleichstellung, Integration
und Prävention, Niedersachsenstraße 2, 49356 Diepholz.

Das mobile Beratungsteam des Bürgermut-Projektes
Oben, v.l.n.r.: Manuela Grambart-Fiefeick, Sören
Bokelmann, Bianca Dieckmann, Christine Schröder. Unten,
v.l.n.r.: Dieter Lindenberg, Ute Strathmann, Florian Kasten,
Silvia Lücke, Ina Bönisch-Maier. Nicht abgebildet:
Horst Hoffmann und Klaus Fritzensmeier.
Projektausführung
Für die Umsetzung der vielfältigen Maßnahmen
ist größtenteils ein 11-köpfiges Mobiles Beratungsteam
zuständig. Dieses setzt sich aus 5 Männern und 6
Frauen zusammen, die
fast alle einen unterschiedlichen beruflichen Hintergrund
haben.
Welche Bedingungen liegen dem Projekt zu Grunde?
Familiäre Gewalt wurde bis zur Einführung des Gewaltschutzgesetzes
offiziell als Privatangelegenheit oder Familienstreitigkeit
angesehen. Trotz der inzwischen grundlegenden anderen juristischen
Bewertung als Kriminalität und Verstoß gegen Menschenrechte,
halten sich im Alltag – auch und vor allem im ländlichen
Bereich – Einstellungen zu Häuslicher Gewalt, die
das Thema nach wie vor als privates Problem beurteilen, das
Außenstehende nichts angeht. Diese Einstellungen fördern
eine Kultur des sich nicht Einmischens und des Wegschauens
und werden durch gesellschaftliche Veränderungen (von
der Gemeinschaft hin zum Individualismus, Entwicklung einer
Spaß- und Konsumgesellschaft) noch verstärkt. Faktoren
wie zunehmende Anonymisierung und existentielle Sorgen –
durch Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit hervorgerufen
– begünstigen diese Tendenz.

Mutbürger (Foto: Fotostudio
Montevideo)
In dörflichen Gemeinschaften ist das Leben nach wie
vor sehr traditionell geprägt. Dazu gehören auch
Verhaltensmuster, die darauf abzielen, innerfamiliäre
Probleme und Sorgen – vor allem Gewaltproblematiken
– nicht nach „außen“ dringen zu lassen.
Vielen Menschen im ländlichen Raum fällt es schwer,
über Ängste, Nöte und Bedürfnisse zu sprechen.
Häusliche Gewalt ist in hohem Maße und auch heute
immer noch sehr schambehaftet. Die Entdeckung und Wahrnehmung
von Beziehungsgewalt wird darüber hinaus durch typische
Rahmenbedingungen der dörflich-ländlich sturkturierten
Nachbarschaften beeinflusst; anders als in der Stadt leben
Menschen überwiegend in Einfamilienhäusern, was
auch dazu beiträgt, dass Häusliche Gewalt leichter
unentdeckt bleiben kann.
Neuartiges – Zivilcourage im Bereich Häusliche
Gewalt
Das Neuartige an dem Projekt „Bürgermut tut allen
gut“ besteht darin, dass sich die Maßnahmen des
Projekts nicht gezielt an Opfer oder TäterInnen Häuslicher
Gewalt richten sondern an die Zivilbevölkerung. Es gibt
somit keine Rollenzuschreibungen und keine Vorannahmen. Das
Ziel ist eine breite Information und Sensibilisierung der
Menschen in der Samtgemeinde Barnstorf zum Thema Häusliche
Gewalt und Zivilcourage.
Durch eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit sollen
Haus- und WohnungsnachbarInnen, ArbeitskollegInnen, Spielplatzeltern
sowie VereinskollegInnen für mehr Zivilcourage im Bereich
Häuslicher Gewalt sensibilisiert werden. Es werden an
verschiedenen Orten Infostände aufgebaut, Haustürgespräche
geführt, besondere Aktionen im Rahmen von regionalen
Festen und Veranstaltungen angeboten, um nur einige der geplanten
Maßnahmen zu nennen. Darüber hinaus erfolgt eine
gezielte Ansprache an Vereine, Schulen und Kindergärten,
um auch auf diesem Wege Menschen zu finden, die sich schulen
lassen möchten, um zukünftig couragierter handeln
zu können und somit auch zu einem veränderten Handeln
in ihrer Umgebung beitragen. Wichtig ist es, deutlich zu machen,
dass es bei Zivilcourage grundsätzlich um ein aktives
Handeln geht, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, und dass
dieses aktive Handeln auch bei Häuslicher Gewalt angesagt
ist.
Handlungsmöglichkeiten werden aufgezeigt, für Erwachsene
im Rahmen von MultiplikatorInnenschulungen, für Kinder
und Jugendliche durch besondere Unterrichtseinheiten. Ein
weiteres Ziel des Projektes ist es, zu einer veränderten
Wahrnehmung von Gewalt zu kommen und der Einstellung entgegen
zu arbeiten, dass Häusliche Gewalt eine Privatangelegenheit
ist. Häusliche Gewalt betrifft uns alle und ist ein gesamtgesellschaftliches
Thema, das u.a. auch große volkswirtschaftliche Kosten
verursacht.
Wenn es gelingt, dieses Projekt erfolgreich umzusetzen, dann
haben Opfer Häuslicher Gewalt die Chance, Hilfestellungen
und Sicherheit durch erlebte Solidarität in ihrem sozialen
Umfeld zu erfahren.
Um eine möglichst große Wirkung des Projekts zu
erzielen, werden die durchgeführten Maßnahmen genau
analysiert und Handlungsempfehlungen für das Mobile Beratungsteam
daraus abgeleitet. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen
Begleitung werden auch einfließen in Landes- und Bundesaktionspläne
zur Gewaltprävention.
Kontakt:
Projekt Bürgermut
Niedersachsenstraße 2
49356 Diepholz
Tel.: (05441) 976-1077
E-Mail: buergermut@diepholz.de
Besuchen Sie die Website des Bürgermut-Projektes
mit weiteren Informationen und Bildern von unseren Aktionen:
» buergermut.jimdo.com
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Website des
Bürgermut-Projektes:
buergermut.jimdo.com

Manfred, 74 Jahre, Mutbürger

Sonja, 42 Jahre, Mutbürgerin

Ahmet, 17 Jahre, Mutbürger

Marla-Sophie, 11 Jahre, Mutbürgerin

Holger, 52 Jahre, Mutbürger

Heike, 59 Jahre, Mutbürgerin
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